Am vergangenen Samstag fanden in Heilbronn die 6. offenen deutschen Ü 30 Einzelmeisterschaften im Judo statt, zu denen in der Altersklasse der 50-55-jährigen vom Bezirk Nordschwarzwald alleinig der Bühlertäler Wolfgang Stadelmann antrat.
Der personifizierte Inbegriff des Judo im Budokai Bühlertals hatte sich dafür in den letzten Monaten  durch eine Vielzahl schweißtreibender Trainings-Einheiten im badischen Umland gekämpft und sich dabei mit den oft bis zu zwanzig Jahre jüngeren Top-Athleten des badischen Landeskaders bis zur völligen Erschöpfung gerauft mit alleinig einem Ziel: sich selbst technisch wie körperlich in Bestform zu bringen.
Und dass ihm dies auch gelungen war, bekam an diesem Wettkampftag sein erster Gegner aus Bayern auch prompt zu spüren. Eindeutig überlegen variierte Wolfgang Stadelmann verschiedene Fußwürfe, bis er dann nach Ablauf der halben Kampfzeit seinen Kontrahenten mit einer verdienten Ipponwertung für einen mehrfach nachgesetzten Schulterwurf vorzeitig von der Matte schickte.
Auch bei den alten Judohasen ist die Beobachtung der Kämpfe der Gruppengegner ein probates Mittel zur Findung der geeigneten Kampfstrategie und so war auch den mitgereisten Judoexperten vom Budokai Bühlertal zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass der Bühlertäler seinen schwersten Gegner in einem Kämpfer aus Nordrhein-Westfalen finden würde. Diesem extrem athletischen Kontrahenten sollte Wolfgang Stadelmann als zweiten Gegner auch schon gegenüberstehen. In einem hochkarätigen Kampf setzten beide Judokas mehrfach Fuß – und Schultertechniken an, doch beide Kraftpakete schafften es nicht, ihre Wurfansätze zu Ende und damit eine Punktwertung für sich nach hause zu bringen.  Schließlich gelang es dem ehemaligen Judovorstand aus Bühlertal seinen knapp einen Kopf größeren Gegner per Innenschenkelwurf zu Boden zu bringen, was ihm die Führung mit einer Viertelpunkt-Teilwertung einbrachte. Unterstützt vom Publikum, wo selbst die jüngsten Judokas aus Bühlertal ihr Trainer-Idol stimmgewaltig anfeuerten und auch beflügelt vom eigenen Erfolg dominierte Wolfgang Stadelmann im weiteren Verlauf diesen Kampf. Der Meistertitel schien bereits in greifbarer Nähe, als kurz vor Kampfende beide Gegner nach einer misslungenen Angriffstechnik zu Boden gingen. Dort geschah das für die Bühlertal-Fraktion Unfassbare: Wolfgang Stadelmann hatte für einen kurzen Moment einen regelrechten Black-Out – vermutlich ausgelöst durch eine kurze Sauerstoff-Unterversorgung im Gehirn – und blieb regungslos auf dem Rücken liegen. Dies nahm der Westfalen-Kämpfer sofort zur Gelegenheit in aller Ruhe einen Haltegriff gegen den immer noch fast benommen wirkenden Bühlertäler anzusetzen. Damit war diese Begegnung trotz der kämpferischen Überlegenheit und der lang andauernden Führung für den Erfolgstrainer aus Bühlertal  verloren.

Sofort kümmerten sich alle mitgereisten Freunde und Betreuer um den sichtlich auch selbst völlig verwunderten Kampfexperten. Enttäuscht über diesen verschenkten und schon seit Jahren angestrebten Deutschen-Meister-Titel, stellte sich dennoch eine gewisse Erleichterung darüber ein, dass keinerlei Gesundheitsgefährdung bei dem Bühlertäler vermutet werden musste.

Entsprechend seiner mehr als dreißigjährigen Kampferfahrung wandte Wolfgang Stadelmann seine Gedanken unmittelbar auch wieder seinen kommenden Begegnungen zu. Auch sein dritter Kontrahent stammte aus Nordrhein-Westfalen und war für seine Stärke im Bodenkampf bekannt. Unbeeindruckt attackierte der Budokai-Kämpfer  mit  extrem tief angesetzten Schulterwürfen, die jedoch diesen auch defensiv recht guten 90kg-Gegner nicht wirklich in Bedrängnis brachten. Nach nunmehr fast 10 Minuten Kampfzeit an diesem Tag, waren selbst die durchtrainierten Sportler mittlerweile an ihren physischen Grenzen angekommen. Doch das Durchhaltevermögen des Bühlertälers überzeugte nicht nur die Kampfrichter, da er seinen Gegner mit kräftezehrenden Angriffen kontinuierlich in Schach hielt. Der Westfale hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, sich diesem Dauerangriff zu widersetzen und geriet in eine derart passive Rolle, dass ihm nach zwei Verwarnungen eine Wertungsstrafe zugeteilt wurde. Doch Wolfgang Stadelmann ruhte sich auf seinem Punktvorsprung nicht aus, sondern zermürbte die Abwehrfähigkeit seines Gegners regelrecht bis er diesen mit einem schnellen Innenschenkelwurf – unterstützt durch seine Eigendrehung –   schwungvoll auf den Rücken schmetterte. So ging auch diese Begegnung völlig verdient per Ipponentscheidung vorzeitig an den Kämpfer der Talgemeinde.

In seinem letzten Fight mobilisierte der Judotrainer aus Bühlertal noch mal seine gesamte Kraft, was dem schwäbischen Gegner zu keiner Zeit eine reale Chance lies. Nach mehreren Schulterwurfansätzen führte Wolfgang Stadelmann bereits mit einer Teilwertung und arbeitete sich weiter konsequent dem Kampfsieg entgegen. Durch einen schnell angesetzten Hüftspringwurf wurde der Schwabe dann vom Bühlertäler aber derart zu Boden gedonnert, dass hierfür zweifellos nur eine Ipponwertung in Frage kam und Wolfgang Stadelmann auch diesen letzten Kampf völlig überlegen vorzeitig beenden konnte.

Nur haarscharf und eigentlich unverdient am Titelgewinn vorbei geschlittert stand Wolfgang Stadelmann am Ende auf dem zweiten Treppchen der besten deutschen Judokämpfer seiner Klasse. Mit dem hervorragenden Deutschen Vizemeister-Titel im Gepäck trat der Budokai Bühlertal am späten Nachmittag die Heimreise an.  Zur Freude seiner mitgereisten Fans und vermutlich zum Leid seiner Kontrahenten versprach der Bühlertäler, im nächsten Jahr erneut nach dieser Krone im deutschen Judosport greifen zu wollen.

 

Wolfgang Stadelmann erschöpft und glücklich über seinen hervorragenden zweiten Platz bei der deutschen Senioren-Meisterschaft im Judo

Wolfgang Stadelmann (blauer Anzug) dominierte den gesamten Kampf gegen den späteren Sieger und verpasste den Titelgewinn nur haarscharf

Wolfgang Stadelmann (blauer Anzug) dominierte alle Kämpfe bei der deutschen Meisterschaft und verpasste den Titelgewinn nur haarscharf