Robin Mohr kämpft sich aufs Podest bei den Süddeutschen Meisterschaften.

Nach dem badischen Landesmeistertitel vor 2 Wochen standen für den Bühlertäler Judoka Robin Mohr noch mehr Trainingseinheiten auf dem Tagesplan als üblich. Schließlich standen am letzten Wochenende die Süddeutschen Meisterschaften im bayrischen Ingolstadt auf dem Programm. Nicht auf dem Programm dagegen stand die Schulterverletzung, die sich Robin Mohr bei einem Landesrandori-Training in Offenburg fünf Tage vor Wettkampfbeginn zugezogen hatte. Es folgten Arzttermine und etliche Untersuchungen anstelle von Traininsgeinheiten, denn Schonung und Medikamente waren angesagt. Dass dabei natürlich die Fitness leidet und auch das Gewicht wieder hochgeht waren die kleinsten Übel. Vielmehr stand zwei Tage vor dem Turnier die medizinische Empfehlung auf Wettkampfabsage. Robin Mohr entschied sich nach Beratung mit dem Landestrainer doch für die Teilnahme – zu wichtig war ihm diese nur einmal im Jahr stattfindende Turnierrunde.

So stand der 60kg-Kämpfer am Samstag morgen in der Audi-Stadt gleich im ersten Kampf einem Kontrahenten aus Bayern gegenüber und musste wegenHandicap in der rechten Schulter auf seine Spezialwürfe vollkommen verzichten. Aus Gewohnheit ging dennoch der Griff immer wieder ums Nackenrever des Gegners, doch unter Schmerzen konnte instinktiv natürlich keine Zugkraft aufgebaut werden. Improvisationsgeist war jetzt also gefragt und der Badenmeister musste tief in seine Trickkiste greifen, um mit clever in der Wurfrichtung abwechselnden Fußfegern den Bayer immer wieder zu Boden zu bringen. Dort spielte der Badner seine technische Kompetenz voll aus und konnte mit einem Spezialhaltegriff seine existierende Punktführung vollends zum Kampfsieg ausbauen. Doch die Schmerzen nahmen zu und nachdem Robin Mohr in seinem zweiten Kampf einen Wurfangriff des Gegners durch eine blitzschnelle Drehung abwehren musste, lies es sich nicht vermeiden, erneut auf die verletzte Schulter zu fallen.In diesen Momenten wird die Härte deutlich, die es auch in einem absolut fair ausgetragenen Judofight hin und wieder doch erfordern kann. So gelang dem Bühlertäler eine veritable Führung mit drei Wazaris, die er für die Niederwürfe des Gegners mittels geschickt platzierter Abtauchtechniken und rückwärtiger Fußfeger zugesprochen bekam.

Nach dem zweiten Kampf über die volle Distanz war klar, dass die Verletzung und die eingeschränkte Kampffähigkeit ein Griff nach den vorderen Turnierplätzen unmöglich machen wird, doch eine Aufgabe kam für Robin Mohr nicht in Frage. Im dritten Fight gegen den späteren Turniersieger kam es mehrfach zu Niederwürfen, die wertungsseitig völlig irrelevant, aber für die Physis des Bühlertälers verheerend waren. Automatisch stellte sich bei dem Budokai-Zöglin aufgrund der Schmerzen eine Schonhaltung ein, was den Angriffen des Gegners Tor und Tür öffnete. Robin Mohr wurde an seiner jetzt schwachen Seite dauerhaft attackiert und der Gegner holte sich eine Wertung nach der nächsten. Selbst der Landestrainer riet jetzt erstmalig zur Kampfaufgabe, um einerseits schlimmere gesundheitliche Folgen zu verhindern und andererseits lieber noch den Kampf um Platz drei austragen zu können. Die Sanitäter hatten ihr Pulver mit Kühlkissen und schmerzlindernden Bandagen bereits verschossen, als sie schließlich zur Turnieraufgabe rieten. Doch Robin Mohr wollte den letzten Kampf im kleinen Finale zumindest versuchen, um sich nachher nicht selbst eventuelle Vorwürfe machen zu müssen. Im letzten Fight biss der Badner seine Zähne nochmals vollständig zusammen und dominierte seinen Gegner von Anfang bis Ende. Die Belohnung der Schmerzen in Form der Bronzemedaille zauberte dem Bühlertäler Judoka am Ende dann auch wieder ein Lächeln ins Gesicht. Mit dem dritten Platz ist das Ticket zur Teilnahme an den deutschen Meisterschaften auch automatisch gelöst. Ob sich das mit der Verletzung bis dahin auch gelöst hat, bleibt allerdings abzuwarten. (cm)