Am letzten Samstag im April fand in Pforzheim das landesoffene Baden-Württemberg-Turnier der U13-Judokas statt. Im Gegensatz zu den badischen Landesturnieren erlaubt dieser offene Wettkampf die Teilnahme sämtlicher Wettkämpfer aus dem badischen sowie aus dem württembergischen Landesteil, was auch in diesem Jahr wieder auf unglaublich große Resonanz stieß. So strömten am frühen Samstagmorgen alleinig bei den Jungs mehr als 300 Teilnehmer dieser einzigen Altersklasse in die Goldstadt und stellten den Veranstalter doch vor die eine oder andere organisatorische Herausforderung. Unglücklicherweise war am Vortag auch noch die Steuerung der Klimaanlage und Hallen-Jalousie ausgefallen, was bei den hochsommerlichen Temperaturen die vielen Hundert Besucher in der großzügig verglasten Halle saunaähnliche Bedingungen erleben lies.
Für die Athleten bedeuteten diese Umstände dann auch eine Extrembelastung ihrer Physis, denn die kräftezehrenden Fights mit ihren ohnehin schon schweißtreibenden Kämpfen am Boden mutierten dadurch zu einer harten Konditionsprüfung.
Der Bühlertäler Robin Mohr hatte sich für dieses Turnier vorgenommen, freiwillig in die nächsthöhere Gewichtsklasse einzusteigen, um sich möglichst früh an das rauere Klima bei den größeren Jungs gewöhnen zu können. Doch das nach der Wägung sich offenbarende Teilnehmerfeld ließen dann auch beim noch elfjährigen Budokai-Talent sichtlich erste Zweifel an seiner Entscheidung aufkommen, zumal gerade bei diesen jüngeren Kämpfern Kampfgewicht und Lebensalter noch großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben. Mit 32 Kämpfern war die Gewichtsklasse bis 37 kg die am stärksten besetzte Gruppe und so hatten die jungen Athleten einen wahren Kampf-Marathon vor sich.
Die Losung ergab es, dass Robin Mohr gleich in seinem ersten Duell auf einen als Favorit gehandelten Gegner aus Nürtingen traf, der es durchaus verstand, die Angriffe des Bühlertälers geschickt abzukontern. Mit abwechslungsreichen Kombinationen setzte Robin Mohr diesen erfahrenen Gegner jedoch derart unter Druck, bis dieser schließlich einer schnellen Umsteigeaktion des Bühlertälers nicht mehr ausweichen konnte. Mit einer Wazariwertung brachte Robin Mohr den Heidelberger zu Boden, wo er von dem Budokai-Kämpfer in einem Haltegriff gebracht und per Beinklammer unlösbar fixiert wurde. Dieser vorzeitige Sieg tat nicht nur dem Kräftehaushalt des Bühlertälers ganz gut, auch die Ehrfurcht vor dieser höheren Gewichtsklasse schien etwas verflogen. Im zweiten Kampf drehte Robin Mohr die Temposchraube gleich voll auf und bombardierte seinen Kontrahenten mit einer Technik nach der anderen. Die schnell wechselnden Wurfrichtungen der Kombinationen ließen dem Gegner dann schließlich keine Chance mehr und auch dieser Sieg ging vorzeitig an den Bühlertäler.
Die viel zu warme und stickige Hallenluft machte jeden länger dauernden Fight für die Kampfsportler in ihren schweren Baumwoll-Judogis zur Tortur, weshalb das Haushalten mit Kräften und Ausdauer einen ganz besonderen Stellenwert bekam.
So kämpfte sich Robin Mohr von Begegnung zu Begegnung immer weiter in Topform und beeindruckte durch abwechslungsreiche Wurftechniken Zuschauer wie Kampfrichter. Im Halbfinale schließlich musste der Bühlertäler gegen einen für seine Erfolge bekannten Top-Kämpfer aus Esslingen antreten. Hochkonzentriert hatte Robin Mohr zunächst Mühe damit, die teilweise nicht ganz schmerzfreien Angriffe des Schwaben abzuwehren. Mit zunehmender Kampfzeit gelang es Robin Mohr immer besser, sich auf diesen Gegner einzustellen, was dessen Angriffstechniken mehr und mehr an Gefährlichkeit nahm. Irgendwann schien das Leichtgewicht aus Bühlertal den Kampf sogar zu drehen – plötzlich war er es, der den Schwabenkämpfer in Bedrängnis brachte. Mit einer Teilwertung für eine Fußtechnik ging Robin Mohr schließlich in Führung, was dem Gegner offensichtlich jetzt auch mental zu schaffen machte. Robin Mohr realisierte seine Chance und schreckte auch vor risikoreichen Angriffen nicht mehr zurück. Nach einer vorwärts gerichteten Innenschenkelwurfattacke stieg der kleine Bühlertäler fast explosionsartig in eine Rückwärtstechnik um und donnerte den Schwaben mit Ipponwertung auf den Rücken. Der Jubelschrei und die hochgerissenen Arme des Bühlertäler ließen in diesem Moment einige Zuschauer fälschlicherweise schon an das Ende eines Finalkampfes glauben, doch Robin Mohr hatte seinen Gefühlen einfach nur freien Lauf gelassen, nachdem er diesen Angstgegner von der Matte gefegt hatte.
Jetzt schien alles möglich für den Budokai-Kämpfer aus der Talgemeinde. Der Finalgegner war ihm ein nicht unbekannter Kämpfer aus Sindelfingen, der von einer Gewichtsklasse darüber kommend speziell für diesen so wichtigen Wettkampf „Gewicht gemacht“ hatte, um es gerade noch mal so in diese Gruppe zu schaffen. Mehr als einen Kopf größer, kräftiger und technisch sehr versiert war dieser Gegner nur zu schlagen durch eine ausgebuffte Strategie. So schoss Robin Mohr immer wieder auf den Gegner zu, um sich nach einem blitzschnellen Angriff wieder auf Distanz zu bringen.
Der extrem schnelle Kampf mit ausgeglichenen Wurfansätzen zwischen diesen beiden sehr guten Technikern schaffte es, die Zuschauer auch selbst nach vielen Stunden anstrengender Wettkampfdauer zu begeistern. Kurz vor Beendigung der Kampfzeit, als beide Athleten mittlerweile auch ihr letztes konditionell Eingemachtes schon aufgebraucht hatten, gelang Robin Mohr mit einer überraschenden Abtauchtechnik eine Teilwertung, die für den Gegner nicht mehr aufzuholen war.
Der Titel des Baden-Württembergischen Meisters als Lohn für die vorangegangenen harten Trainingseinheiten war für den erschöpften Robin Mohr ebenso wertvoll, wie das Lob der Landestrainer, die dem jungen Kader-Mitglied seine bis dato beste Kampfleistung testierten. (CM)

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