Am vergangenen Sonntag wurde im französischen Lauterbourg der weit über die französischen Landesgrenzen hinaus bekannte Edmond Vollmer Cup ausgetragen. Bei diesem internationalen Judoturnier treffen sich vor allen Dingen die Nachwuchstalente aus Frankreich und Deutschland, vereinzelt jedoch auch aus angrenzenden Ländern, um nach französischem Judo-Reglement ihren Meister zu küren.
Und genau in diesem frankophilen Regelwerk sollte am Ende auch die Krux für den Bühlertäler Robin Mohr liegen, der sich in diesem Jahr erstmalig dieser Herausforderung stellte. In einem unglaublich großen Teilnehmerfeld fanden sich alleinig in der 38kg-Gewichtsklasse stolze 27 Teilnehmer aus den verschiedenen Landesteilen der Bundesrepublik, Frankreich und Spanien ein und sorgten damit für eine Fülle an erstklassigen Zweikämpfen. Da bei diesem Turnier traditionsgemäß nicht in einzelne Pools unterteilt wird, sondern auch bei derart vielen Teilnehmern alle Duelle ausgekämpft werden, dauerten die Begegnungen bis in den späten Sonntagabend hinein.
Völlig ungewohnt für die Athleten aus Deutschland ist hier auch die Gürtelgraduierung der Gegner, da in Frankreich der Judosport völlig anderen Regeln unterliegt als in der Bundesrepublik. So treten französische Judokas bereits im Jugendbereich der U14 vereinzelt mit dem Braungurt auf die Matte, was von BRD-Kämpfern vereinzelt mit ehrfurchtsvollen Blicken quittiert wurde. Doch am Ende zählt natürlich alleinig die gezeigte Leistung auf der Matte und so marschierte Robin Mohr auch unbeeindruckt durch die ganzen Vorkämpfe, wo er jeden Fight mit imposanten Niederwürfen per Ipponwertung vorzeitig gewann. Im weiteren Verlauf kristallisierte sich eine Gruppe von Kämpfern aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Frankreich und Spanien heraus, die sich scheinbar unaufhaltsam Richtung Halbfinale durchkämpften. Im Halbfinale geriet Robin Mohr an einen Spanier, der mit seinen eineinhalb Jahren Altersunterschied nicht nur größer war, sondern auch sehr erfahren schien. Der Bühlertäler lieferte sich einen gnadenlosen Fight und attackierte unaufhörlich, ohne jedoch eine verwertbare Punktwertung gegen den routinierten Wettkämpfer zu erreichen. Von einem begeistert mitgehenden Publikum getragen gingen die zwei Athleten an ihre letzten Reserven, doch beide Kämpfer brillierten nicht nur mit einem hervorragenden Wurf-Repertoire, sondern zeigten auch jeweils hochkarätige Kontermanöver. In der Verlängerung geriet der Bühlertäler zunächst in Konflikt mit dem französischen Reglement, das die in Deutschland üblichen Hebeltechniken vollständig verbietet und auch mehrere Würfe und Griffe nicht zulässt und so zu einer Verwarnung für Robin Mohr führte. Nach Ende der Verlängerungszeit schein alles auf den obligatorischen Kampfrichterentscheid (Hantei) hinauszulaufen, wo nicht nur die Betreuer aus Deutschland den Bühlertäler klar vorne sahen. Doch die Kampfrichter einigten sich in ihrer Muttersprache auf eine nachträgliche zweite Verwarnung für das badische Jungtalent wegen Verletzung der französischen Regeln, weshalb der Badener damit eine punktrelevante Doppelverwarnung kassierte und so den Kampf abgeben musste. Den wichtigsten Kampf in einem internationalen Turnier nicht durch eine Wertung des Gegners, sondern alleinig durch Strafen in einem unverstandenen Reglement zu verlieren, gehört zweifellos zu den bittersten Erfahrungen, die man in diesem Sport machen kann. (cm)