Einmal pro Jahr treffen sich die besten deutschen Judoathleten zum internationalen Sparda-Cup in Duisburg, weil hier die deutsche Bundestrainerschaft die Leistungen ihrer Zöglinge im Umfeld der europäischen Kontrahenten offiziell sichtet und beurteilt. Entsprechend hoch stellt sich das Kampfniveau bei diesem Turnier ein, wenn die Kaderathleten aller deutschen Bundesländer gegen die Athleten aus dem europäischen Umland – allen voran natürlich die direkten Nachbarn Belgien, Holland und Frankreich – auf die Matte treten. Aber auch die Busse der Nationalkader aus Polen und Slowenien sorgten für Respekt bei den badischen Kaderkämpfern, von denen für dieses hochrangige Turnier neben Robin Mohr aus Bühlertal nur noch ein weiterer Athlet in einer niedrigeren Gewichtsklasse nominiert war.

Und so standen am Samstag alleinig in der 50kg-Klasse sagenhafte 48 Judoka auf der Waage, was das Turnier wegen der resultierend hohen Anzahl an Zweikämpfen beinahe zu einem physischen Gewaltakt werden lies. Die ersten Kämpfe meisterte der in Topform angetretene Robin Mohr mit Bravour, wobei speziell die Kämpfer aus Bayern und Sachsen ihm  die volle Kampfzeit von vier Minuten abverlangten. Im Achtelfinale dann der bis dahin schwierigste Fight, in dem der Bühlertäler jedoch eine Wazari-Führung für einen Gegendreh-Wurf herausarbeiten konnte.Dennoch konnte es sich Robin Mohr nicht erlauben nachzulassen und musste bis wenige Sekunden vor Kampfzeitende sein gesamtes Technik-Repertoire bemühen, als ihm mit einer zweiten Wazari-Wertung doch noch der Ipponsieg gelang.

Nach unglücklich kurzer Kampfpause musste der Budokai-Kämpfer im Halbfinale  gegen einen bisher noch relativ wenig angestrengten Favoriten aus Brandenburg antreten. Dieser Kontrahent hatte durch glückliche Losung und überlegene, kurze Zweikämpfe noch genügend Energie parat, um nach einer Minute mit einem trickreich geschraubten Schulterwurf ein Wazari-Vorsprung gegen den Bühlertäler zu erreichen. Doch Robin Mohr mobilisierte seine letzten Kraftreserven und schaffte per Innenschenkelwurf tatsächlich den Ausgleich. In der verbleibenden Kampfzeit gingen beide Kämpfer volles Risiko und so wechselten sich die Wurfattacken blitzschnell ab. Just als Robin Mohr eine Außensichel ansetzen wollte, drehte der Brandenburger in die Gegenrichtung ein und konnte damit diese Position des Bühlertälers optimal ausnutzen, um eine weitere Wazari-Wertung und damit den Kampfsieg zu erhalten. Mit dieser Platzierung unter den ersten fünf Kämpfern gilt bei diesem internationalen Turnier die Mission des Talentnachweises beim Deutschen Judobund als erfüllt und so war der zuletzt kommende Kampf um Platz 3 nur noch als Kür.

Die Energiedepots waren leergeräumt und entsprechend lautete die Kampfstrategie „alles oder nichts“, sprich Robin Mohr musste versuchen relativ frühzeitig den Kampf für sich zu entscheiden. Der Gegner russischer Nationalität hatte jedoch ähnliche Pläne und war für seine spezielle Grifftechnik und die damit erzielten Siege bei den deutschen Kämpfern durchaus gefürchtet. Doch Robin Mohr trat unerschrocken an den größeren Gegner heran und konnte nach knapp einer Minute den Gegner mit einer großen Hüfttechnik frei durch die Luft auf die Matte donnern: Zu vorzeitig waren nicht nur der Kommentator am Mikrofon, sondern auch die Trainer samt Zuschauer mit ihrem Jubel, denn die gegebene Punktwertung wurde nach kurzer KampfrichterDiskussion wieder zurückgenommen, da die Technik wohl wenige Zentimeter außerhalb des Mattenrandes angesetzt wurde. Die beiden unerbittlich agierenden Kämpfer hatten bis dato also nicht nur keine Wertung, sondern auch keine Reserven mehr. Mit letzter Kraft haute Robin Mohr schließlich nochmals einen Tai OtoshiKörperwurf raus und konnte damit diesen letzten Fight nach unendlich lang scheinenden vier Minuten tatsächlich für sich entscheiden. Sowohl der Kommentator als auch die zahlreichen mitfiebernden Zuschauer dankten beiden Athleten für einen unglaublich spannenden, dramatischen Kampf und gratulierten dem Bühlertäler schließlich zur Bronzemedaille in diesem schwierigen Umfeld.

Dem Jugendtrainer des Budokai Bühlertal gelang es damit als einzigem Kämpfer des badischen Landesverbandes, sich in die Platzierungen kämpfen.