In der Altersklasse der U15-Jugend beginnen die ersten Talentsichtungen des Bundes für den gesamtdeutschen Kader, was in Form so genannter bundesoffener Turniere stattfindet. Am vergangenen Samstag fand dieses Sichtungsturnier im schwäbischen Backnang statt, was für die Kämpfer aus Baden-Württemberg den Vorteil einer relativ kurzen Anreise brachte. Doch dieser Vorteil sollte für den Bühlertäler Robin Mohr zur Tücke und so auch zu einer echten Herausforderung werden. Denn während die Athleten aus dem fernen Berlin oder aus Niedersachsen bereits am Vorabend anreisten und gewogen wurden, brach der Budo-Kai-Kämpfer am frühen Samstagmorgen auf, um pünktlich um 9.00 Uhr auf der Wettkampf-Waage zu stehen.
Doch diese zeigte 300 Gramm zuviel an und so hatte der noch 12-jährige Kaderathlet gerade mal noch 20 Minuten Zeit, um sich das Übergewicht abzutrainieren. Eingepackt in Judoanzug, Hoodie und Daunenanorak wurde eine Runde nach der anderen gerannt, um letztendlich bei Wiegeschluss nassgeschwitzt mit immer noch verbleibenden 100 Gramm Übergewicht doch in der nächsten Gewichtsklasse starten zu müssen. Und so ging der für Karlsruhe antretende Kämpfer nach dieser kräftezehrenden Laufeinlage doch schon etwas aufgeregt auf die Matte, denn seine Gegner waren jetzt nicht nur bis zu zwei Jahre älter, sondern auch noch deutlich schwerer und ihm gänzlich unbekannt.
Aber bereits im ersten Kampf zeigte Robin Mohr, wie ernst es ihm mit dieser Sichtungschance war. Sofort setzte er den pfälzischen Gegner unter Druck und holte sich eine Teilwertung für einen schnell umgestiegenen Innensichel-Fußwurf. Das zurückkehrende Selbstvertrauen des jungen Bühlertälers verdrängte vollends die psychische Anspannung und mit einer herrlichen Schultertechnik warf er den Gegner über sich hinweg und beendete diesen Auftaktkampf vorzeitig per Ippon.
Das sollte auch schon der einfachste Kampf gewesen sein an diesem Tag, denn der zweite Gegner aus Duisburg widersetzte sich den Angriffen des badischen Judokas zunächst sehr gekonnt. Doch mittels abgewandelter Angriffsstrategie und rückwärtiger Selbstfalltechnik holte sich Robin Mohr auch diesen Sieg.
Der Weg in Richtung Podestplätze war in der stark besetzten 40kg-Klasse mit ihren 31 Kämpfern jedoch anstrengend lang und in jeder Begegnung zog das kämpferische Niveau weiter an. In einem harten Fight gegen einen Judoka aus Potsdam verletze sich Robin Mohr, so dass die Sanitäter gleich mehrfach auf die Matte mussten. Aber selbst bei den Jungathleten sorgt bereits ein entsprechender Adrenalinpegel dafür, dass auch mit aufgeschlagenen Lippen und gestilltem Nasenbluten stets der Sieg im Visier bleibt. Und so bezwang Robin Mohr mit tamponierten Nasenlöchern erst in der Verlängerung den Kämpfer aus Norddeutschland mit einem Innenschenkelwurf.
Den Kampf um den Einzug ins Finale holte sich der Youngster aus Bühlertal per Wazari-Wertung für einen Fußwurf und konnte sich anschließend kräfteseitig wieder etwas erholen für den auf den späten Nachmittag angesetzten Finalkampf.
Jetzt war der Gegner ein Kämpfer aus Brandenburg mit Braungurt  – eine Gürtelgraduierung die der Bühlertäler altersbedingt erst in zwei Jahren erreichen kann. Doch unerschrocken wie immer hämmerte der Budo-Kai-Kämpfer eine Wurftechnik nach der anderen rein, was der deutlich größere Kontrahent jedoch stets auskontern konnte. Doch den blitzschnellen Angriffswechseln war auch er auf Dauer nicht gewachsen und so gelang Robin Mohr in der Kampf-Verlängerung mit einer kraftvollen Beintechnik auch dieser finale Sieg.
Der Titelgewinn bei der ersten Teilnahme an einem bundesoffenen Turnier markiert den derzeitigen Höhepunkt in der Kampfbilanz des fleißigen Schülers.(cm)

Feiert mit dem Titelgewinn des bundesoffenen Turniers seinen bisher größten Erfolg: Robin Mohr vom Budo-Kai Bühlertal

Diese Beintechnik brachte Robin Mohr (rechts) im Finalkampf mit einem Gegner aus Brandenburg den Turniersieg