Am vergangenen Wochenende fand in Nußloch zum vierten Mal das in der Judowelt mittlerweile für sein kämpferisches Niveau weithin bekannte Rhein-Neckar-Odenwald-Pokal-Turnier statt. Die Judo-Asse aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen sind hier sowieso längst Stammgäste, aber auch Athleten aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Frankreich und Belgien nehmen regelmäßig  lange Anfahrtsstrecken auf sich, um die seltene Möglichkeit zu nutzen, sich mit verbandsseitig getrennten Kämpfern messen zu können.
Für den badischen Judoverband startete in der Altersklasse U14 der Bühlertäler Robin Mohr, der sich trotz seiner erst 12 Lenzen auch gegen die zumeist etwas älteren Gegner große Chancen ausrechnete. Schließlich hatte er die letzte Ferienwoche in einem Judo-Camp im Schwabenland verbracht, um mit mehreren Trainingseinheiten täglich und umfangreichen Konditions-Workouts die in den Sommerferien angewöhnte Bequemlichkeit wieder etwas abzustreifen.
In seiner neuen Gewichtsklasse bis 37 kg erschreckte ihn die Losung dann aber doch etwas: Gleich in seiner ersten Begegnung sollte er gegen den von Vielen gesetzten Favoriten dieser Klasse antreten. Dieser hatte bereits im letzten Jahr in dieser Gewichtsklasse die anderen Kämpfer auf die Ränge verwiesen und flöste durch sein höheres Alter, die damit mögliche höhere Blaugurtgraduierung und seine Statur mit perfekt eingestelltem Gewicht  durchaus Respekt ein. Vielen der zahlreich angereisten Zuschauer wie auch den Trainern war klar, dass bereits im ersten Fight hier also die Felle in dieser Klasse verteilt werden würden. Die übrigen Kämpfer dieser Gewichtsklasse hatten dagegen ein Freilos, so dass sie dieses Duell in aller Ruhe verfolgen konnten.
Und so war die Spannung gleich beim Auftaktkampf auf einem Höhepunkt, man hätte das sprichwörtliche Fallen der Stecknadel hören können, alleinig der Herzschlag der beiden Kontrahenten pochte sichtbar.
Direkt nach dem Startkommando ging Robin Mohr gleich in die Offensive und versuchte zunächst mit Angriffen in Form eines Innenschenkelwurfs zu punkten. Doch der deutlich größer gewachsene Gegner konnte diesen Attacken problemlos ausweichen, so dass Robin Mohr auf seine speziell einstudierte Kombination aus Beinwurf und daraus abgeleitetem Umstieg zu einer Innensichel überging. Hier gelang ihm zwar stets der blitzschnelle Umstieg, doch die entgegengebrachte Kraft des Gegners erlaubte den Niederwurf einfach nicht. Die beiden Judokas begeisterten das Publikum durch ihre schnelle Techniken und sauber beherrschten Konter, wobei der Bühlertäler dem Gegner durch permanenten Druck kaum Raum für Offensivtechniken lies. Mit einem wunderschön eingedrehten Schulterwurf konnte Robin Mohr nach ungefähr zweiminütiger Kampfzeit den Kontrahenten zu Boden werfen – die schnelle Reaktion des Gegners in Form einer Körperdrehung in der Luft verhinderte jedoch die volle Punktwertung, so dass der Budokai-Kämpfer per Teilwertung in Führung ging. Von diesem Erfolgserlebnis gepusht drehte Robin Mohr richtig auf. Mit einer Selbstverständlichkeit schoss er förmlich in den Gegner hinein, setzte so ziemlich alle Angriffe, die sein Wurfrepertoire hergab, um unmittelbar danach wieder auf sichere Distanz zu gehen. Kurz vor Kampfende gelang ihm dann auch noch der Coup, indem er den Gegner mit einem perfekt angesetzten Harai-Goshi-Beinwurf frei durch die Luft auf die Matte beförderte und per Ipponwertung doch noch vorzeitig siegte. Diese frühe Niederlage des Kontrahenten erlaubt diesem über die Trostrunde im besten Fall noch ein Vorankommen bis zum Kampf um Platz drei, so dass mit diesem Kampf einige Weichen dieser Klasse gestellt zu sein schienen.
Robin Mohr war auch in seinem zweiten Fight überlegen, der im jedoch erneut die gesamte Kraft abverlangte, bis er schließlich als Sieger von der Matte ging.
Natürlich werden bei einem derartigen Wettkampf alle Duelle der anderen Kontrahenten gezielt beobachtet und studiert und so erhielt mittlerweile das bei ihm gewohnte Strahlen Einzug in das Gesicht des kleinen Bühlertälers, da die kommenden Gegner deutlich leichter zu kämpfen schienen, als die vorherigen Boliden.
Die Erschöpfung steckte Robin Mohr dennoch in den Knochen, als er sich nach wenigen Minuten bereits im dritten Duell fand. Doch der Pokalsieg rückte gedanklich immer näher und  mobilisierte auch die letzten Kraftreserven.
Doch dann geschah das, was den Turnierverlauf vollkommen durcheinander bringen sollte. Robin Mohr drehte zu einem Schulterwurf ein, den der andere Kämpfer abblocken konnte. Dadurch gingen beide Kämpfer zu Boden, wobei der etwas schwerere Gegner den auf sein Gesicht fallenden Bühlertäler unter sich begrub. Robin Mohr zog sich dabei eine schmerzhafte Verletzung des Nasenbeins zu und musste zutiefst enttäuscht diesen eigentlich einfacheren Kampf und damit auch den Turniersieg abgeben. Auch einen weiteren Kampf konnte Robin Mohr trotz mehrerer zeitlicher Verschiebungen durch die Kampfrichter nicht mehr absolvieren, was die entsprechenden Gegner zu einem kampflosen Sieg brachte.
So platzte der Pokalsieg für den Bühlertäler doch noch so kurz vor dem Ziel und sorgte für völlig unerwartete Platzierungen einiger anderer Judokämpfer. Denn auch im Judo beweist das sprichwörtliche „Leid des einen zur Freud des anderen“ immer wieder mal seine Gültigkeit. (cm)

Musste mit verletzter Nase aufgeben und sich mit dem fünften Platz begnügen: Robin Mohr vom Budokai Bühlertal