Knapp 250 Judokas aus ganz Deutschland trafen sich am vergangenen Wochenende zum Sichtungsturnier des Deutschen Judobundes im schwäbischen Backnang.
In der Altersklasse der U15-Kämpfer bieten diese bundesoffenen Turniere die einzige Gelegenheit, wo die Nachwuchstalente aus dem ganzen Bundesgebiet zum Kräftemessen aufeinander treffen und so nutzen insbesondere die Bundes- und Leistungsstützpunkte diese Chance zur leistungsseitigen Standortbestimmung. In diesem Jahr waren insbesondere die Judo-Hochburgen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen zahlenmäßig sehr stark vertreten, während die Judoverbände aus Hessen und Rheinland-Pfalz ihre Kaderkämpfer aus zwar nur wenigen, aber für ihre Qualität bekannten Vereinen schöpfen.
Robin Mohr, der in den letzten Monaten gesundheitlich vom Pech vefolgt für einige Wettkämpfe ausgefallen war, wollte dieses für ihn wichtigste Turnier der Wettkampfsaison unbedingt bestreiten. Doch auch das sollte nicht ganz unproblematisch sein, nachdem der Bühlertäler mit einer hartnäckigen Erkältung nur bedingt trainingsfähig gewesen war. So waren auch bei der Anreise am Samstag morgen Hustensaft und diverse Naturheilmittelchen wichtiger Bestandteil der Reiseapotheke.
Die Gewichtsklasse bis 43 kg war mit 36 Kämpfern am stärksten besetzt und wurde deshalb bereits morgens früh direkt nach dem Wiegen gestartet. Im Auftaktkampf gegen einen Kämpfer aus Sindelfingen war die gesundheitliche Beeinträchtigung des Bühlertälers sofort erkennbar. Der Kampf gestaltete sich als sehr leistungszehrend und brachte in der regulären Kampfzeit keine Wertungen. Nach neuem Regelwerk müssen die U15-Kämpfer danach in eine nunmehr zeitlich unbegrenzte Verlängerung gehen (Golden-Score-Modus), bis eine Wertung erzielt wird. Dieser Wettkampfmodus verhindert zwar die früher nicht selten umstrittenen Hantei-Kampfrichterentscheide bei wertungslosen Kämpfen, doch der konditionellen Verfassung des Bühlertälers kam das gerade jetzt wenig entgegen. Dennoch gelang es Robin Mohr, den Kaderkämpfer aus Schwaben nach einer starken Angriffsserie von Fußtechniken mit einem plötzlichen Richtungswechsel per Schulterwurf nach vorne zu Boden zu bringen und eine kleine Wertung (Yuko) und damit das Kampfende im Golden-Score zu erreichen.
Die extrem große Teilnehmerzahl mit den resultierend vielen Kämpfen machten angesichts der ständig zunehmenden Atemnot zwar Sorge, aber Robin Mohr mobilisierte für jeden Fight seine gesamten Reserven. Den nächsten Kontrahenten aus Bayern nahm der Badenkämpfer nach einem Wurfansatz per Außensichel in den Haltegriff, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Von Kampf zu Kampf schien sich der junge Bühlertäler zu steigern, zwischen den Kämpfen sorgten hustenstillende Mittelchen für die notwendige Entspannung.
Im Kampf um den Einzug ins Halbfinale dominierte der badische Kaderkämpfer seinen Gegner aus NRW von Anfang an und zeigte seine gewohnte spezielle Kampfführung mit blitzschnellen Richtungswechseln. Der Gegner konnte dabei stets nur noch reagieren und so gelangen Robin Mohr auch relativ bald mehrere Teilwertungen, bevor er mit einem Umstieg von Schulterwurf auf Innensichel den Gegner zu Boden brachte und dort mit einem Armhebel den Kampf doch noch vorzeitig beenden konnte. Jetzt war das Feuer im Bühlertäler vollends entfacht und er lief – hin und wieder unterbrochen von Hustenattacken – zur Höchstform auf.

Im nachfolgenden Halbfinalkampf nutzte der Gegner eine Unachtsamkeit von Robin Mohr für eine Kontertechnik aus, was den Bühlertäler mit einer gewichtigen Wazari-Wertung ins Hintertreffen brachte. Angefeuert von außen musste der Bühlertäler jetzt in der letzten Kampfminute alles auf eine Karte setzen, um die drohende Niederlage abzuwenden. Mit veränderter Kampfstrategie brachte er seinen Kontrahenten am Mattenrand in eine geeignete Position, um ihn dann mit einer vollen Punktwertung (Ippon) für einen tief eingestiegenen Körperseitwurf (Tai-Otoshi) auf die Matte zu katapultieren und auch diesen Sieg vorzeitig einzuheimsen.

Die außerordentlich zahlreiche und hochkarätige Besetzung dieses Turniers ließ die vielen Kämpfe meist auch noch in eine Verlängerung gehen, so dass das Kampfgeschehen von morgens früh bis in die Abendstunden dauerte. Was die zahlreichen Gäste schon alleinig beim Zuschauen an die Grenzen ihres Standvermögens brachte, war für die Sportler eine extreme Belastung und wurde durch den quasi nicht vorhandenen Sauerstoffaustausch in der Halle zusätzlich verstärkt. Und so starteten die für den Nachmittag eingeplanten Finalkämpfe erst am Abend als krönendes Highlight dieses Großkampftages.
Mit Robin Mohr war nur ein einziger badischer Kämpfer in einem Finale vertreten und sein Gegner war kein geringerer als der amtierende bayrische Meister. Dieser hatte sich in seinem Pool durch die starken Kämpfer aus NRW und Hessen durchgesetzt und Robin Mohr hatte seine Kampfstrategie aufgrund seiner Physis mit seinem Landestrainer auf maximal einminütiges Dauerfeuer festgelegt – volles Risiko von Anfang an.
Und auf den variablen Kampfstil des Bühlertälers fanden auch der bis dahin perfekt agierende Bayernkämpfer und dessen Trainer keine passende Antwort – Robin Mohr zeigte vor den Augen des Bundestrainers einen beeindruckenden Fight. Nach einer Teilwertung für eine Abtauchtechnik bekam der Bühlertäler ein Bestrafung (Shido) für einen extrem tief eingestiegenen Schulterwurf, weil diese Ausführungsform erst in der nächsten Altersklasse erlaubt ist. Die Stimmung kochte und Trainer wie Betreuer aus den unterschiedlichen Verbänden feuerten die Athleten an. Mit einer zusätzlichen halben Punktwertung (Wazari) für eine Kontertechnik (Kosoto-gake) holte kurz vor Kampfende Robin Mohr zwar fast ohne Luft aber mit tosendem Beifall den Turniersieg nach Baden.

Trotz Sauerstoff-Mangel sichtlich gelöst: so sehen Sieger aus

Am Ende konnte er nur noch strahlen: Turniersieger Robin Mohr vom Budokai Bühlertal