Während die meisten Jungs am ersten Advents-Wochenende in besinnlicher Vorfreude zuhause entspannten, zog es die zwei Mohrenbrüder ins schwäbische Fellbach, wo das bei den Judokas populäre Kappelbergturnier nunmehr bereits zum neunzehnten Mal stattfand. Topathleten aus 52 verschiedenen Vereinen sorgten heuer für einen neuen Teilnehmerrekord bei diesem für sein hohes kämpferisches Niveau bekannten Turnier, wo die Judotalente sowohl aus Baden als auch aus Württemberg aufeinander treffen. Für die Fighter aus Baden eine der wenigen Möglichkeiten, gegen die Nachwuchsathleten aus den Judo-Hochburgen um Tübingen und Sindelfingen zu kämpfen, was sonst nur auf süddeutscher Wettkampfebene möglich ist.
In bester physischer Verfassung trat am Samstag der 13jährige Luis Mohr auf die Matte, um sich dem Duell mit den Kader-Kämpfern aus Schwaben in der U14-Klasse zu stellen. Trotz der frühmorgentlichen Anreise fand der Bühlertäler sofort in seinen ersten Kampf und bombardierte den Blaugurt-Gegner unentwegt mit variationsreichen Angriffskombinationen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Luis Mohr seinen Gegner im wahrsten Sinne des Wortes richtig gestellt bekam, um ihn per Beintechnik frei durch die Luft auf die Matte zu donnern. Mit voller Punktwertung (Ippon) war dieser Fight vorzeitig zu Ende, was dem Bühlertäler wertvolle Kräfte sparte. So konnte er auch in seinem zweiten Kampf seine derzeitige Topform voll ausspielen und schickte auch diesen Gegner auf die Verliererbank. Mit jeder kommenden Begegnung wurde das Teilnehmerfeld weiter ausgesiebt und die Gegner entsprechend stärker.
Beim Kampf um den Finaleinzug stellte sich dem Kämpfer aus Bühlertal ein wahres Kraftpaket in die Quere. Doch auch er musste leidvoll erfahren, dass Kraft alleine zu einem Sieg im Judo nicht ausreicht, als er im Haltegriff des Bühlertälers mit einer gnadenlosen Hebeltechnik zur Kampfaufgabe gezwungen wurde.
Im Finale schließlich trafen zwei Kämpfer aufeinander, die sich in ihren jeweiligen Pools siegreich durchgekämpft hatten. Am körperlichen Limit angekommen galt es nun mit voller Entschlossenheit die unweigerlich letzten Reserven zu mobilisieren. Technisch nahezu ausgeglichen kam es über die gesamte Kampfzeit zu ständigen Wurfangriffen auf beiden Seiten, doch mangels Punktwertung mussten die beiden Kontrahenten in eine kräftezehrende Verlängerung. Hier konnte Luis Mohr seinen konditionellen Vorsprung nutzen und sich den hauchdünnen Sieg  über den gegnerischen Kämpfer des Landeskaders sichern. Damit hatte sich Luis Mohr nach den Podestplatzierungen der Vorjahre hier erstmals den begehrten Kappelberg-Pokal erkämpft, was die abendliche Heimreise auf der Autobahn dann doch zumindest gefühlt verkürzte.
Am darauffolgenden Sonntagmorgen sollte es dann zum zweiten Mal durch die Landeshauptstadt hindurch nach Fellbach gehen, um möglichst auch bei der Titelvergabe in der Altersklasse U12 ein Wörtchen mitzureden.
Das sollte die Aufgabe des 11jährigen Robin Mohr werden, der erst kürzlich als U12-Kämpfer in den Landeskader der U14 aufgenommen wurde. Mit entsprechend großem Selbstbewusstsein ausgestattet betrat der kleine Bühlertäler die ihm vertrauten Hallen, wo er tags zuvor den Sieg seines Bruders euphorisch miterlebt hatte. Allerdings lies das unglaublich große Teilnehmerfeld von 31 Kämpfern alleinig in dieser Gewichtsklasse dann doch erste Zweifel aufkommen, denn die ausgehängten Kampflisten verdeutlichten den schier endlos langen Weg über eine Vielzahl von Kämpfen in Richtung Finale.
Robin Mohr ging entschlossen ans Werk und kämpfte sich durch die unterschiedlichsten Gegner immer weiter nach vorne. Mit blitzschnellen Fußfeger- und angeschlossenen Beintechniken wirbelte er seine Gegner regelrecht durch die Luft und heimste dafür verdiente Ipponwertungen ein. Selbst deutlich schwereren Gegnern lies der freiwillig in der nächst höheren Gewichtsklasse kämpfende Gymnasiast an diesem Tag keine Chance. Als auch er im Finalfight über die gesamte Kampfzeit gehen musste und erst in der Verlängerung mit einer Innensichel den Pokalsieg holte, hatte er seinem größeren Bruder wieder einmal gleichgezogen. So waren die Mohrenbrüder das einzige Geschwisterpaar, das an den beiden Tagen zwei Trophäen abräumte und die sowohl die Kids wie auch die Eltern und Trainer für das anstrengende Advents-Wochenende mehr als entlohnten.

Robin Mohr (links) schleudert seinen Gegner mittels einer blitzschnellen Beintechnik durch die Luft


Luis Mohr (links) auf dem Weg zum Pokalsieg am Kappelberg